Dr. Ansay Erfahrung: Sicherheitslücken beim Cannabis-Rezept

|Maxim Traxel
Dr. Ansay Erfahrung: Sicherheitslücken beim Cannabis-Rezept - Hanfify

Wir haben Dr. Ansay auf Herz und Nieren geprüft – von der Bestellung über den Fragebogen bis zur Lieferung. Der Anbieter punktet mit Tempo: Rezept innerhalb weniger Stunden, Cannabis in zwei Tagen im Briefkasten. Doch bei der Sicherheit zeigen sich bedenkliche Lücken. Keine E-Mail-Verifizierung, abgelaufene Ausweise werden akzeptiert, und der medizinische Fragebogen lässt sich mit wenigen Klicks umgehen. Hier ist unser Erfahrungsbericht.

Bestellprozess: Ungewöhnlicher Einstieg über den Shop

Anders als bei den meisten Anbietern beginnt der Weg bei Dr. Ansay nicht mit einem medizinischen Gespräch, sondern direkt im Shop. Wer auf der Startseite „Cannabis-Rezept" wählt, landet auf einer Produktübersicht mit verschiedenen THC-haltigen Cannabisblüten – und muss erst einmal drei Sorten in den Warenkorb legen, bevor es weitergeht.

Dr Ansay Cannabis-Shop mit Warenkorb in der Übersicht

Bei Dr. Ansay startet der Prozess nicht mit einem Arztgespräch, sondern im Shop: Erst drei THC-haltige Blüten auswählen und in den Warenkorb legen, dann geht es weiter.

Erst Produkte wählen, dann Rezept anfordern

Die Logik ist ungewöhnlich: Man wählt seine Cannabisblüten aus, als würde man in einem klassischen Onlineshop einkaufen. Mindestens fünf Gramm pro Sorte, bis zu drei verschiedene Sorten pro Bestellung, maximal 100 Gramm insgesamt. Erst danach wird man gefragt, ob man bereits ein Rezept hat – oder eines anfordern möchte. Wir wählen „Nein, Rezept anfordern" und buchen das Erstrezept für 14,20 Euro. Der Ablauf wirkt wie eine Umkehrung des üblichen Prozesses: Produkt vor Prüfung.

Registrierung ohne E-Mail-Bestätigung

[Hinweis vom 19.02.2026: Diese Sicherheitslücke wurde zwischenzeitlich behoben.] Für die Registrierung werden Vorname, Nachname, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum, Handynummer und Passwort abgefragt. Was auffällt: Nach der Registrierung erfolgt keine Bestätigung der E-Mail-Adresse. Kein Verifizierungslink, kein Sicherheitsschritt. Man ist sofort eingeloggt und kann fortfahren. Für einen medizinischen Dienst, der sensible Gesundheitsdaten verarbeitet, ist das eine bemerkenswerte Lücke.

Fragebogen mit sichtbaren Ausschlusskriterien

Der medizinische Fragebogen umfasst sechs Schritte. Zunächst wählt man eine Beschwerde aus – von Schlafstörungen über chronische Schmerzen bis hin zu Neurodermitis oder PTBS. Wir entscheiden uns für Schlafstörungen. Auf der zweiten Seite wird nach dem Zeitpunkt der Symptome gefragt. Hier zeigt sich das erste Problem: Bestimmte Antwortmöglichkeiten sind rot hinterlegt. Wählt man „vor 1–7 Tagen" bis „vor 1–3 Monaten", erscheint sofort die Meldung: „Entschuldigung, Sie können kein Cannabis-Patient werden." Die Ausschlusskriterien sind also von Anfang an sichtbar – und lassen sich gezielt umgehen.

Medizinische Prüfung: Schnell, aber oberflächlich

Der Fragebogen führt durch weitere Fragen zu Häufigkeit der Symptome, bisheriger Diagnose und früherer Cannabis-Verschreibung. Auch hier sind die „falschen" Antworten farblich markiert. Wer den Prozess durchlaufen möchte, weiß genau, was er anklicken muss – und was nicht.

Auswahlmaske der Beschwerden bei Dr. Ansay

Der Fragebogen fragt Häufigkeit, Diagnose und frühere Cannabis-Verschreibung ab – „falsche“ Antworten sind farblich markiert, sodass klar ist, was man anklicken muss.

Sechs Schritte mit vorgegebenen Antworten

Auf Seite fünf folgt eine Liste mit Ausschlusskriterien: Psychosen, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Suizidalität, Arbeit als Autofahrer. Auch hier ist der Button „Nein, ich nicht" rot hinterlegt – die Warnung ist unmissverständlich. Wir bestätigen stattdessen, keines der Kriterien zu erfüllen. Gleiches gilt für die sechste Seite, auf der nach der Einnahme bestimmter Medikamente gefragt wird. Wer die roten Buttons meidet, kommt durch. Eine individuelle Prüfung findet nicht statt.

Eingabemaske für Cannabis auf Rezept bei Dr. Ansay

Nach dem Fragebogen wird ein Ausweis verlangt. Die Anleitung ist klar – doch selbst ein seit 2022 abgelaufener Ausweis wird ohne Rückfrage akzeptiert.

Abgelaufener Ausweis wird akzeptiert

Nach dem Fragebogen wird ein Ausweisdokument angefordert. Die Anleitung ist klar: Personalausweis im Querformat, Name und Geburtsdatum gut sichtbar. Wir laden testweise einen Ausweis hoch, der seit 2022 abgelaufen ist. Das System akzeptiert ihn ohne Rückfrage. Auch hier fehlt eine Plausibilitätsprüfung, die bei einem medizinischen Anbieter eigentlich Standard sein sollte.

Rezept in unter drei Stunden ausgestellt

Um 17:38 Uhr fordern wir das Rezept an. Um 20:13 Uhr – keine drei Stunden später – kommt die Bestätigung per E-Mail: Das Rezept wurde ausgestellt und an die Apotheke weitergeleitet. Die Geschwindigkeit ist beeindruckend. Die Frage, wie gründlich eine ärztliche Prüfung in dieser Zeit erfolgen kann, bleibt offen.

Lieferung und Abwicklung: Reibungslos über Partnerapotheke

Am nächsten Morgen um 7 Uhr meldet sich die MYCANNABIS Apotheke per E-Mail. Das Rezept ist eingelöst, die Bestellung kann abgeschlossen werden. Dafür ist ein weiteres Kundenkonto erforderlich – diesmal direkt bei der Apotheke.

Zweites Kundenkonto bei MYCANNABIS erforderlich

Die Registrierung bei der Apotheke läuft separat. Hier werden erneut persönliche Daten abgefragt, und der Gesamtbetrag für das Cannabis wird fällig. Bezahlen lässt sich per Kreditkarte, Vorkasse oder Klarna Rechnungskauf. Der zusätzliche Schritt ist nachvollziehbar – schließlich ist die Apotheke ein eigenständiger Akteur –, wirkt aber umständlich.

Flexible Versandoptionen ab 5,99 Euro

Bei der Lieferung stehen mehrere Optionen zur Wahl: DHL-Versand für 5,99 Euro, GO! Express für 12,99 Euro oder kostenlose Abholung in einer der beiden Partneraptoheken in Düsseldorf. Für die Abholung wird ein gültiges Ausweisdokument benötigt. Wir entscheiden uns für den DHL-Versand und schließen die Bestellung um 15:30 Uhr ab.

Cannabis nach zwei Tagen geliefert

Am 17. – zwei Tage nach Bezahlung – trifft das Paket ein. Die Lieferung verläuft reibungslos, diskret und zuverlässig. In puncto Logistik gibt es nichts zu beanstanden. Von der Rezeptanfrage bis zur Zustellung vergehen insgesamt weniger als 48 Stunden.

Ein kritischer Blick auf die Datensicherheit

Aktuelle Berichte und auch unsere eigenen Eindrücke aus Tests zeigen jedoch, dass man bei Anbietern wie Dr. Ansay derzeit genauer hinschauen sollte. Für uns gehört Datensicherheit ganz klar zu einer modernen, verantwortungsvollen Begleitung dazu.

Ein Bericht von Heise.de zeigt, wie anfällig digitale Patientenakten sein können: Durch eine Fehlkonfiguration sollen 1,7 Millionen Rezepte mit sensiblen Daten potenziell einsehbar gewesen sein

Was Heise über die Datenlücke berichtet

Ein Bericht von Heise.de macht deutlich, wie schnell digitale Patientenakten angreifbar werden können. Durch eine Fehlkonfiguration sollen rund 1,7 Millionen Rezepte von etwa 330.000 Kunden potenziell einsehbar gewesen sein. Betroffen waren nicht nur Namen und Kontaktdaten, sondern auch besonders sensible Informationen wie Diagnosen, Dosierungen und Angaben zu behandelnden Ärzten. Dass eingeloggte Nutzer über einfache Tokens Zugriff auf fremde Datensätze gehabt haben könnten, entspricht nicht dem Sicherheitsstandard, den man in diesem Bereich erwarten sollte.

Mehr als nur ein Einzelfall

Besonders kritisch: Es scheint kein isolierter Vorfall gewesen zu sein. Bereits im Mai 2024 wurde von einer weiteren Datenpanne berichtet, bei der Dokumente sogar über Suchmaschinen auffindbar gewesen sein sollen. Wenn Sicherheitslücken trotz Hinweisen tagelang offen bleiben und unklar bleibt, ob Daten abgeflossen sind, leidet das Vertrauen massiv. Gerade bei Themen rund um Hanf und persönliche Gesundheit ist Diskretion für uns absolut nicht verhandelbar.

Unsere Eindrücke aus der Identitätsprüfung

Auch unsere eigenen Erfahrungen im Test passen leider in dieses Bild. Nach der Registrierung wurde die angegebene E-Mail-Adresse nicht verifiziert – obwohl das normalerweise ein einfacher Standard ist, um Accounts vor Missbrauch zu schützen. Zusätzlich akzeptierte das System sogar einen seit zwei Jahren abgelaufenen Personalausweis zur Identitätsprüfung. Das wirkt zwar schnell und unkompliziert, wirft aber Fragen auf, wie gründlich und sicher solche Prozesse wirklich sind – und genau hier wünschen wir uns deutlich mehr Sorgfalt für die Community.

Unser Fazit: Geschwindigkeit auf Kosten der Sorgfalt

Dr. Ansay liefert schnell – keine Frage. Wer innerhalb von zwei Tagen Cannabis im Briefkasten haben möchte, findet hier einen Anbieter, der das ermöglicht. Doch die Geschwindigkeit geht zulasten der Sorgfalt. Fehlende E-Mail-Verifizierung, akzeptierte abgelaufene Ausweise und ein Fragebogen, bei dem die „richtigen" Antworten farblich markiert sind, werfen Fragen auf. Die medizinische Prüfung wirkt oberflächlich, die Sicherheitsstandards lückenhaft. Wer Wert auf Transparenz und eine gründliche ärztliche Begleitung legt, sollte sich nach Alternativen umsehen.

Kritik: Versandadresse versus Identitätsnachweis

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Diskrepanz zwischen der Lieferadresse und der Adresse auf dem (ohnehin abgelaufenen) Ausweisdokument. Grundsätzlich ist es in Deutschland zwar rechtlich zulässig, eine abweichende Lieferadresse zu wählen. Wenn jedoch ein ungültiges Dokument auf eine abweichende Adresse trifft, sollte dies bei einem sorgfältigen Anbieter sofort zusätzliche Verifizierungsschritte auslösen. Ohne diesen Abgleich lässt sich kaum sicherstellen, dass die verschriebene Therapie tatsächlich die Person erreicht, die im Rezept genannt wird. Die Kombination aus fehlender Mail-Verifizierung und laxem Adressabgleich öffnet Tür und Tor für Identitätsdiebstahl.

Transparenzhinweis

Ein Hinweis zur Transparenz: In unserer Übersicht zum Thema Cannabis auf Rezept führen wir verschiedene Anbieter auf, darunter auch Dr. Ansay. Bis zum Jahr 2025 bestand zwischen Hanfify und Dr. Ansay eine bezahlte Partnerschaft. Diese Kooperation besteht aktuell nicht mehr. Uns ist wichtig, dass unsere Berichte unabhängig bleiben und euch eine ehrliche Orientierung bieten, damit ihr eure Auswahl mit einem guten Gefühl treffen könnt.